Hausorgeln
im Toggenburg
Im historisch bedeutenden Ackerhus in Ebnat-Kappel ertönen die Klänge einer besonderen Musikinstrumentenfamilie – der Toggenburger Hausorgel. Sie erzählt die Geschichte einer bäuerlichen Musiktradition, die bis heute lebendig gehalten wird und Besucher in vergangene Zeiten entführt.

Hausorgel als Klang des pietistischen Einflusses im Toggenburg
Im Toggenburg gab es einst über hundert Hausorgeln. Sie standen in den Firstkammern der bäuerlichen Oberschicht. Die Hausorgel ist kein grosses Kircheninstrument, sondern eine speziell für die heimischen Bauernhäuser gefertigte Pfeifenorgel. Zwischen 1750 und 1830 wurden mehr als hundert dieser kunstvoll verzierten Orgeln in den sogenannten Firstkammern – dem Dachraum der Bauernhäuser – eingebaut. Ihr warmer, raumfüllender Klang begleitete geistliche Andachten ebenso wie familiäre Feiern, ein verbindendes Element im Alltag der damaligen Zeit.
Handwerkliche Meisterwerke
Die Hausorgeln zeichnen sich durch kunstvolle Schnitzereien und florale Bemalungen aus, die jedes Instrument zu einem Einzelstück machen. Die Bauweise wurde an die niedrigen Wohnzimmer des Toggenburgs angepasst, was den Kompaktheitsgrad und die technische Raffinesse erhöht. Bedeutende Orgelbauer wie Melchior Grob in Hemberg, Heinrich Ammann in Wildhaus sowie Wendelin und Joseph Looser in Ebnat-Kappel prägten diese lokale Orgelbaukunst. Im Ackerhus sind die Werke Loosers ebenso wie eine Grob-, eine Ammann- und eine Speiseggerorgel zu sehen und zu hören.
Lebendige Musikkultur im Museum
Im Ackerhus werden die Hausorgeln nicht nur ausgestellt, sondern zum Leben erweckt. Neben der Besichtigung finden regelmässig Konzerte statt, bei denen Besucherinnen und Besucher die Möglichkeit haben, den Klang zu erleben und mehr über die Instrumente zu erfahren. Die Verbindung von Geschichte und musikalischer Praxis macht den Besuch im Ackerhus zu einem besonderen Erlebnis.
Kulturelles Bewahren und Weitergeben
Die Pflege der Hausorgeln und die Vermittlung ihres kulturellen Wertes sind auch heute noch lebendige Aufgaben zahlreicher Musiker und Forscher der Region, allen voran der Verein Windbläss. Es ist dieser lebendige Austausch zwischen Vergangenheit und Gegenwart, der das Ackerhus zum pulsierenden Zentrum der Toggenburger Musiktradition macht.
Ein akustisches Erlebnis der besonderen Art erwartet jede Besucherin und jeden Besucher des Ackerhus Ebnat-Kappel, der sich für Volksmusik und Instrumentenkunst interessiert. Es ist eine Einladung, die Klänge einer jahrhundertealten Tradition zu entdecken und innezuhalten.






